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Wellensittichhalter-Umfrage

Wie werden Wellensittiche heutzutage gehalten, wie leben sie und woran sterben sie? Eine in Zusammenhang mit meiner Buchpublikation entstandene Umfrage vom Herbst 2007 gibt einen kleinen Einblick in die Lebenssituation der Hauswellensittiche.
      
Während der Vorarbeiten zum Buch „Wellensittiche verstehen und artgerecht halten“ hatte ich zur Klärung wichtiger Fragen eine Fragebogenaktion gestartet. An der Umfrage beteiligt haben sich dankenswerterweise 98 Teilnehmende, hauptsächlich Hobbyhalterinnen und –züchter aus Deutschland und der Schweiz, die nicht für Ausstellungen züchten. Die Umfrage war mit einer freiwilligen Wettbewerbsteilnahme verbunden, wobei Qualipet freundlicherweise drei Preise im Wert von je Fr. 40 als Sponsor zur Verfügung stellte. Im folgenden die Resultate der Umfrage im Überblick.
      
      
Innenhaltung viel häufiger

Fast drei viertel aller Teilnehmenden haben ihre Vögel in einem Wohnzimmer untergebracht. Bei den Aussenhaltungen überwiegen Volieren mit einem Schutzhaus, welches im Winter leicht beheizt wird (15 Fälle). Volieren mit unbeheiztem Schutzhaus werden seltener für Wellensittiche eingerichtet (8 Fälle). Bei drei Aussenvolieren wurde kein Schutzhaus, sondern lediglich ein Witterungsschutz angebracht. Vor letzterem ist abzuraten, zumal Wellensittiche nachts und bei grosser Kälte gerne ein Schutzhaus aufsuchen.

Bei den Innenhaltungen überwiegt die Käfighaltung mit Dauerfreiflug (35 Fälle). Das heisst, dass sich die Vögel den ganzen Tag lang frei im Zimmer bewegen können und meist die Nacht im Käfig verbringen – eine ideale Art der Haltung. Weniger Käfigvogelhalter gewähren ihren Vögeln stundenweisen Ausflug (12 Fälle). Meist geniessen die Vögel dann halbtäglich, mindestens etwa zwei Stunden lang pro Tag Freiflug – je nachdem, wann ihre Halter zu Hause sind. In einem Fall wurde erklärt, dass die Käfigwellensittiche nie Freiflug hätten.

Etliche Umfrageteilnehmer platzieren ihre Käfige niedriger als auf Augenhöhe des Menschen (besser wäre mindestens auf Augenhöhe). Die obersten für die Vögel verfügbaren Sitzplätze liegen in 38 von 64 Fällen unterhalb von 170 Zentimetern Höhe ab Boden, im Extremfall nur gerade 45 und 50 Zentimeter über Boden. Eine UV-Lampe für Vögel (Vogellampe, Bird lamp) wird in 31 der 72 Innenhaltungen angeboten. Davon bieten rund die Hälfte auch Zugang zur Aussenwelt (Aufenthalte auf dem Balkon oder Gittervorsatz, der das Öffnen des Fensters ermöglicht). Die übrigen 40 Innenhaltungen weisen keine UV-Beleuchtung auf, 26 davon jedoch einen Zugang zur Aussenwelt. In 15 Innenhaltungen haben die Vögel weder eine UV-Beleuchtung noch einen Zugang zur Aussenwelt. Dies ist nicht ideal, denn der UV-Anteil des Sonnenlichts wird grösstenteils durch die Fensterscheiben weggefiltert.


Nächtliche Panikanfälle

Von den 98 Einsendern gaben 60 an, dass nächtliche Panikattacken bei ihren Vogelgruppen schon vorgekommen seien. Bei 45 davon sei dies nur gelegentlich oder sehr selten passiert. Die Neigung zur Nachtpanik scheint bei Wellensittichen also ein weit verbreitetes Phänomen zu sein, wobei es aber meist nur sporadisch, etwa alle paar Monate, zu solchen Zwischenfällen kommt. Ein Zusammenhang mit bestimmten nachts oder tagsüber auftretenden Störungen war in dieser Umfrage nicht festzustellen.
    

Kämpfe und Vergesellschaftung

Von den 98 Einsendern gaben 26 an, dass es in ihren Vogelgruppen schon zu ernsten Kämpfen gekommen sei. Sehr deutlich fiel dabei auf, dass Brutkästen Auseinandersetzungen begünstigen, denn in knapp mehr als der Hälfte aller ernsten Kämpfe waren Bruthöhlen in der Voliere vorhanden. Bei Kämpfen in Haltungen ohne Bruthöhlen gehen die Angriffe etwa gleich häufig von Hähnen wie von Hennen aus. Leichte Unausgewogenheiten in der Geschlechterzahl (wenige überzählige Hähne oder Hennen) scheinen keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Kämpfen zu haben.

In 26 der 98 Haltungen sind Wellensittichgruppen mit anderen Vogelarten vergesellschaftet, 16 dieser Gemeinschaftshaltungen werden in Aussenvolieren gepflegt. Unverträgliche Arten hat dabei niemand erwähnt. Am häufigsten werden Wellensittiche mit Nymphensittichen vergesellschaftet, mit welchen sie denn auch sehr gut harmonieren. Bei den 72 Innenhaltungen beschränken sich 20 auf die Haltung eines einzigen Wellensittichpaares.

 

Ernährung

Bezüglich der Ernährung der Hauswellensittiche hat die Umfrage Erfreuliches zutage gebracht: Die weit meisten Umfrageteilnehmer bieten ihren Wellensittichen einen vielseitigen, artgerechten Speiseplan mit regelmässigen Frischfuttergaben an. Vier der 98 Teilnehmenden geben ihren Vögeln jedoch einzig Körnerfutter. In 75 Einsendungen wird ein besonders vielseitiger Speiseplan aus Früchten, Gemüsen, Kräutern und Wildpflanzen wie Gräsern, Vogelmiere oder Löwenzahn aufgeführt, manchmal ergänzt mit Wildpflanzensamen aus dem Vogelbedarfs-Fachhandel. Etliche Halter scheinen die natürliche Vorliebe der Wellensittiche für frische Grasähren aus der Natur zu kennen. Fast ein Viertel bietet zudem tierisches Zusatzfutter an, meist Eifutter oder gekochtes Ei, manchmal Insekten (Maden), Hüttenkäse oder Joghurt.

Bezüglich der Frischfuttermenge, welche diese ursprünglichen Körnerfresser erhalten, wird wahrscheinlich häufiger über- als untertrieben. Die meisten (59 Halterinnen und Halter) geben ihren Tieren täglich Frischfutter, 17 geben jeden zweiten Tag Frischfutter und 14 tun dies zwei bis drei Mal pro Woche. Nur relativ wenige Halter bieten ausgesprochen selten Frischnahrung an: Drei beschränken sich auf eine Portion pro Woche und eine Person füttert seltener als einmal pro Woche frisches Obst, Gemüse oder Grünzeug.
    

Zweige und Vogelbad

Mit einer Ausnahme geben alle Fragebogeneinsender ihren Tieren regelmässig Zweige aus der Natur. Fast immer werden dazu geeignete, ungiftige Gehölze gewählt. Acht Halter erwähnten daneben aber auch einige weniger geeignete Gehölze, beispielsweise leicht giftige Pflanzen wie Efeu oder Pfaffenhütchen. In einem Fall hiess es, man sei „überfragt, aber sehr unterschiedliche Hölzer“. Stark giftige Pflanzen wie die Eibe wurden keine erwähnt. Was schwach giftige Pflanzen angeht, so herrscht leider keineswegs in jedem Fall Klarheit, inwieweit sie sich schädlich auf Wellensittiche auswirken könnten. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich daher, für Abwechslung bei den Zweigsorten zu sorgen.

Ebenfalls die weit meisten, nämlich 94 Halterinnen und Halter, bieten ihren Vögeln eine Badegelegenheit an. Zwei verzichten auf ein Vogelbad, da es nie benutzt worden sei. Eine Person stellt das Bad nur selten auf, ebenfalls wegen mangelnden Interesses seitens der Vögel. In einem weiteren Fall erhalten die Wellensittiche statt eines Bades eine Duschgelegenheit durch regelmässiges Abspritzen. Ein Tipp in diesem Zusammenhang: Manche Wellensittiche schätzen es auch, in einem aufgehängten nassen Kräuterbündel zu „duschen“.
    

Lebenserwartung und Todesursachen

Das durchschnittliche Todesalter liegt bei ungefähr sechs Jahren. In diesem Alter sind Wellensittiche zwar angejahrt, aber normalerweise noch nicht altersgebrechlich. Todesfälle gab es durch alle Altersklassen hindurch. Die jüngsten Todesfälle ereigneten sich im Kückenalter, das älteste Tier wurde offenbar 18 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der zum Zeitpunkt der Datenerhebung lebenden Tiere liegt bei dreieinhalb Jahren und ist somit deutlich tiefer als das durchschnittliche Sterbealter von sechs Jahren. Dies lässt erahnen, dass sehr alte Tiere in der heutigen Heimtierpopulation nur spärlich vertreten sind. Die Angaben für die Todesalter wurden von den Umfrageteilnehmern wahrscheinlich über einen längeren Zeitpunkt hinweg gesammelt, während die Altersangaben lebender Tiere ein Augenblicksbild wiedergeben.

Sehr frühe Todesfälle scheinen recht häufig aufzutreten. Werden von allen Haltungen nur die jeweils jüngsten Todesfälle erfasst, so sind darunter die Todesfälle bis zum 1. Lebensjahr stark in der Überzahl (mehr als 13). Am zweithäufigsten wurden Zweijährige als jüngster Todesfall einer jeweiligen Tierhaltung vermeldet (9 Fälle). Es gibt aber auch etliche Wellensittiche, die ein hohes Alter erreichen. Bei der Erfassung des jeweils ältesten Todesfalles pro Tierhaltung ergab sich eine Spanne von einem bis zu 18 Jahren, wobei auffallend viele mit zwölf Jahren verstarben (11 Tiere). Am zweithäufigsten waren die ältesten Todesfälle pro Tierhaltung fünf und neun Jahre alt (je sechs Tiere). Bei manchen Tierhaltungen waren noch keine oder erst sehr wenige Wellensittiche verstorben, was auch die sehr jungen „ältesten Todesfälle“ erklärt.

Bei den Todesursachen ergaben sich Unterschiede nach Altersklassen, die aus biologischer Sicht zu erwarten wären: Junge Wellensittiche bis zu zwei Jahre verstarben auffallend häufig an negativen äusseren Einflüssen wie Infektionen und Parasiten (10 Fälle) oder durch Unfälle, Raubtiere und Gift (drei Fälle). Tumoren gab es in dieser Altersklasse keine. Bei über zwei- bis achtjährigen Wellensittichen überwogen Tumoren (15 Fälle) gegenüber anderen Todesursachen. Bei alten Wellensittichen ab acht Jahren überwogen Altersschwäche, Schlaganfall und Herzversagen (24 Fälle), gefolgt von Tumoren (fünf Fälle). Durch alle Altersklassen hindurch gab es etliche Todesfälle mit unbekannter Ursache, die von den Haltern nicht genau abgeklärt werden konnten (23 Fälle).
    

Publiziert (leicht verändert) in: Tierwelt Nr. 48 und 50, Nov. - Dez. 2008

© E. Wullschleger Schättin

Die detaillierten Resultate mit farbigen Grafiken sind auf Anfrage erhältlich. Weitere Infos zum Buch und die Bestelladresse finden Sie unter "Bücher / Broschüren".

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