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Einfallsreiche Pflaumenkopfsittiche

Pflaumenkopfsittiche zählen zu den beliebtesten Edelsittichen und werden heutzutage recht häufig nachgezüchtet. Ein Porträt einer faszinierenden Sittichart.

    Pflaumenkopfsittiche (Psittacula cyanocephala) sind hübsche Vertreter der Edelsittiche. Insbesondere das Männchen ist prächtig gefärbt. Sein Kopf ist pflaumenrot und mit schwarzem Wangen- und Nackenband vom restlichen Gefieder abgesetzt, während die Weibchen mit bläulich-grauem Kopf und insgesamt matterem Gefieder unscheinbarer wirken. Junghähne haben zunächst graue Köpfe wie die Weibchen und mausern meist im dritten Lebensjahr in ihr Adultkleid um. Bei unseren Tieren in der Aussenvoliere vollzog sich dies im September, im Alter von ungefähr zweieinhalb Jahren. Bereits im Frühling davor zeigten die Junghähne Balzverhalten und vereinzelt rosa Federn am grauen Kopf.
    Wie andere Edelsittiche zeichnen sich die Pflaumenkopfsittiche durch ein schlankes Erscheinungsbild mit langen Schwanzfedern und spitzen, relativ langen Flügeln aus. Sie sind denn auch bemerkenswert agile und schnelle Flieger, die in der Natur oft in Gruppen unterwegs sind und dabei ihre charakteristischen „toi“-Rufe hören lassen. Die leicht fragend und melodiös klingenden Rufe werden von Volierenvögeln ebenfalls häufig geäussert, vor allem bei lebhaften Flugaktivitäten oder in rascherer, hektischer Folge bei Beunruhigung. Sie sind ziemlich weit herum zu hören, klingen aber für menschliche Ohren angenehm.
    Bei artgerechter Haltung mit reichlich Platz und Beschäftigung erweisen sich die Pflaumenkopfsittiche als durchaus muntere und aktive Volierenvögel, insbesondere wenn sie nicht nur zu zweit, sondern als kleine Gruppe gehalten werden. Es wird aber berichtet, dass sie in kleinen Käfigen bald apathisch werden. Da sie frostempfindlich sind, benötigen Pflaumenkopfsittiche bei Aussenhaltung unbedingt ein frostfrei gehaltenes Schutzhaus. Auch wenn manche Individuen von sich aus danach trachten, im Winter draussen zu übernachten, wäre das Risiko für Erfrierungen der Zehen dabei unverantwortlich hoch. Sie sollten früh daraufhin trainiert werden, für die Nacht den Innenraum aufzusuchen, sofern sie dies nicht von sich aus tun. Sonst ist damit zu rechnen, dass man die Vögel jeden Abend zu geeignetem Zeitpunkt in den Innenraum scheuchen muss.
     
     
Riesiges Verbreitungsgebiet

    Freilebende Pflaumenkopfsittiche besiedeln ein vergleichsweise grosses Areal, das sich von vereinzelten Vorkommen in Ostpakistan über Indien bis nach Nepal, Bhutan, Bangladesh und Sri Lanka erstreckt. Vereinzelt kommen sie noch in Höhen bis 1300 oder 1500 Meter über Meer vor. Heute wird keine Unterteilung in Unterarten mehr vorgenommen, doch nimmt die Grösse der Pflaumenkopfsittiche von Norden nach Süden ab und ihre Färbung wird gegen Süden hin dunkler. In grossen Teilen ihres Verbreitungsgebietes sind die Pflaumenkopfsittiche offenbar nur noch lokal häufiger, in einigen Teilen fehlen sie fast völlig. Ihr Rückgang wird auf die Abholzung der Wälder zurückgeführt, die ihren Lebensraum bilden. Beispielsweise im Tiefland von Sri Lanka seien Pflaumenkopfsittiche wegen des Lebensraumverlustes selten geworden.
    Als Lebensräume werden Wälder und Savannen genutzt, wobei sich die Vögel auch in Plantagen niederlassen. Sie scheinen ländliche Gebiete zu bevorzugen und finden sich seltener in städtischen Parks oder Gärten ein. Meist ziehen die Pflaumenkopfsittiche in kleinen Gruppen umher, doch können sie sich an ergiebigen Nahrungsquellen zu grossen Schwärmen vereinen. Getreide- und Obstkulturen werden häufig von Scharen nahrungssuchender Pflaumenkopfsittiche heimgesucht, die dann beträchtlichen Schaden anrichten können. Schäden durch Pflaumenkopfsittiche seien sogar in einer Saatgutkultur für Blumen (Tagetes erecta) aufgetreten. Die Nacht verbringen die Vögel ebenfalls in grossen Schwärmen auf Schlafbäumen, wobei es bis zum Einbruch der Dunkelheit recht lärmig zu und her gehen kann. Die obersten Zweige der Baumwipfel werden besonders gerne als Aufenthaltsort genutzt. Auch als Volierenvögel halten sich Pflaumenkopfsittiche gerne auf hohen Ruheplätzen auf und verfolgen von dort manchmal aufmerksam die Geschehnisse in der Umgebung ausserhalb der Voliere.


Saisonale Brut

    Der Brutzyklus ist strikte saisonal gesteuert, obschon die Tageslängenunterschiede im Verbreitungsgebiet dieser tropisch-subtropischen Art wenig ausgeprägt sind. Um Kalkutta in Indien setzt die Entwicklung der Fruchtbarkeit bei Pflaumenkopfsittichen im Dezember ein, im Februar und März ist sie maximal ausgeprägt. Volierenvögel in Europa werden ebenfalls früh im Jahr brütig. Während des restlichen Jahres zeigen sie kaum mehr Balzaktivitäten und ihre Gonaden bilden sich zurück. Bei der Balz läuft das Männchen vor dem Weibchen auf einem Ast hin und her, zeigt eine Reihe von Verbeugungen und singt dabei leise zwitschernd. Beim Umwerben und während der Brutzeit füttert das Männchen seine Partnerin. Die Bindung der Paare beschränkt sich offenbar auf eine Brutsaison.
    Pflaumenkopfsittiche sind für ihr friedfertiges Wesen bekannt, auch gegenüber anderen Vogelarten. Sie greifen schwächere Vögel nicht ernsthaft an, wenn ihnen diese in die Quere kommen, sondern verscheuchen sie höchstens mit drohend geöffnetem Schnabel. Selber wenig aggressiv, vermögen sie sich gegenüber aufdringlichen Volierengefährten wie balzfreudigen Wellensittichen nicht leicht durchzusetzen. Als Drohgeste wird dem Gegner der weit aufgerissene Schnabel entgegen gestreckt, wobei der drohende Vogel eine flache, nicht eine erhobene Körperhaltung einnimmt. Dabei werden die Pupillen verengt, sodass der weisse Augenring deutlich zum Vorschein kommt. Diese Verengung der Pupillen hat offenbar Signalwirkung und wird allgemein bei Erregung gezeigt, so auch beim Balzen oder beim Verzehr eines besonderen Leckerbissens.
     
   
Vielseitiger Speiseplan

    Aus einer Freilandstudie wird berichtet, dass die Pflaumenkopfsittiche bei der Nahrungssuche hohe Bäume gegenüber Sträuchern bevorzugten und sich stets im oberen oder höchstens im seitlichen Bereich der Baumkronen aufhielten. Beim Fressen bleiben die Pflaumenkopfsittiche als Gruppe ziemlich nahe beieinander. So können sie rasch auf Gefahren reagieren: Wenn ein Vogel beunruhigt auffliegt, flüchtet sofort der ganze Schwarm.
    Bezüglich ihrer Nahrungswahl erweisen sich die freilebenden Pflaumenkopfsittiche als ziemlich unspezialisiert, wie dies für Edelsittiche charakteristisch ist. Soweit vorhanden nehmen sie bevorzugt Sämereien und Früchte (häufig Feigen) auf, doch werden auch Knospen, Blütenblätter und Nektar verzehrt. Wo Früchte knapp waren, wurden bevorzugt keimende Blätter und Blütennektar aufgenommen. Pflaumenkopfsittiche wurden unter anderem als „Blütenräuber“ am Spiralstrauch (Helicteres isora) beobachtet. Die Pflaumenkopfsittiche zerstörten beim Fressen die Blüten des Strauches, während andere Vogelarten ohne Schaden zu verursachen Nektar konsumierten und dabei teils als Bestäuber wirkten. Da diese Pflanze in Indien häufig ist und jeweils synchron blüht, ergeben sich zu ihrer Blütezeit reiche Nektarquellen für die Tiere.
    Bei der Pflege in menschlicher Obhut sollte der Früchteanteil im Speiseplan von Pflaumenkopfsittichen ebenfalls hoch sein. Zudem sollten frische, belaubte Zweige oder solche mit Knospen regelmässig gegeben werden. Die Blätter werden von den Vögeln meist umgehend vom Zweig entfernt und nach dem Beknabbern fallen gelassen. Selbst die Nadeln von Tannenzweigen werden augenscheinlich mit Vergnügen zerknabbert. Ungiftige Blüten, etwa von Löwenzahn oder Ringelblume, können den Speiseplan von Volierenvögeln zusätzlich bereichern und Abwechslung in ihren Alltag bringen. Sie werden zwar nicht von allen Vögeln angenommen. Manchmal hilft es, mehrmals Blüten zu reichen, sodass die Vögel zu einem späteren Zeitpunkt doch noch davon probieren können. Ebenfalls gerne beknabbert werden von Zeit zu Zeit gereichte Kräuterbüschel von Pfefferminze oder Thymian, oder Wildpflanzen wie Vogelmiere.
     

Geschick beim Nahrungserwerb

    Die bewegungsfreudigen Pflaumenkopfsittiche sind sehr geschickte Kletterer und erreichen in der Voliere mühelos Leckerbissen wie Beeren, die in Zweigbündeln aufgehängt werden. Auf horizontalen Ästen laufen sie eilig geradeaus und stellen dabei die Füsse jeweils kreuzweise. Den Boden suchen sie eher selten auf und laufen dort rege, aber nicht allzu flink herum, wenn es Interessantes zu finden gibt. Kleine Nahrungsstücke vom Boden werden umgehend auf einen Ast hoch getragen und dort verzehrt. Beim Fressen halten die Pflaumenkopfsittiche ihre Nahrung nach Papageienart im Fuss fest und führen sie so zum Schnabel. Wenn Konkurrenz naht, laufen sie mit dem Futterbrocken im Schnabel weg oder fliegen nötigenfalls damit fort. Letzteres versuchen sie durchaus auch mit sperrigen Objekten, die dann zur Herausforderung beim Manövrieren im Flug werden.
    Wie viele andere, vor allem kleine Vögel beherrschen Pflaumenkopfsittiche einen kurzen Flug auf der Stelle, um schwer erreichbare Nahrung aufzunehmen. Dieser Rüttelflug ist äusserst energiezehrend und erfordert einen schnellen und kräftigen Flügelschlag. In der Voliere überraschten die Pflaumenkopfsittiche mit ihrem Geschick, weit abstehende Grasähren nicht nur wie sonst aus dem Stand, sondern im Rüttelflug mit dem Schnabel vom Halm abzutrennen. Selten, aber doch mehrfach, konnte ich die Vögel dabei beobachten, wie sie aus dem Flug eine Ähre abknipsten, schnell mit Hilfe eines Fusses in den Schnabel schoben und wegtrugen – ganz ohne zu landen. Wenn die Naturwiese am Boden der Voliere hoch wuchs, fand ich mehrfach abgeknipste Grashalme vor, die in keiner Weise geknickt waren. Ob die Vögel die Ähren ebenfalls aus dem Rüttelflug heraus weggenommen hatten?
    Zweifellos müssen auch Pflaumenkopfsittiche manchmal lernen, ihre Fähigkeiten richtig einzuschätzen. Ein Weibchen, längst gewohnt, Grasähren abzuknipsen und wegzutragen, versuchte dasselbe einmal mit einem Zweig, an dessen Ende ein paar Trauben aufgehängt waren. Im Nu war der Weidenzweig durchtrennt. Doch der findige Vogel vermochte das schwere Zweigstück mit den Trauben nicht zu halten, und so fiel alles zu Boden.

 

Literatur

Ehlenbröker J, Ehlenbröker R., Lietzow E. (2002): Edelsittiche. Enzyklopädie der Papageien und Sittiche, Band 14. Horst Müller-Verlag, Bomlitz

Gokula V., Venkatraman C., Saravanan S., Swetharanyam S. (1999): Inter- and intraspecific variation in the resource use of blossomheaded and bluewinged parakeets in Siruvani, Tamil Nadu, India. J. Bombay Natural History Society 96 (2), 225-231

Maitra S.K. (1986): Annual Testicular Cycle of Blossomheaded Parakeet, Psittacula cyanocephala (Aves, Psittacidae), under Natural Environmental Conditions. J. interdiscipl. Cycle Res. Vol. 17, No. 3, 213-223

Santharam V. (1996): Visitation patterns of birds and butterflies at a Helicteres isora Linn. (Sterculiaceae) clump. Current Science Vol 70, No. 4, 316-319

The Internet Bird Collection: http://ibc.lynxeds.com/species/plum-headed-parakeet-psittacula-cyanocephala; mit Videos freilebender Vögel

 

Publiziert in Gefiederter Freund, Nr. 2, 2010

© E. Wullschleger Schättin

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