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Wie die Federfarben zustande kommen

Die Farbenpracht der Vögel ist im Vergleich zu den Haarfarben der Säugetiere überwältigend, was darauf hinweist, dass auch weitere Pigmente als die im Säugetierhaar vorkommenden Melanine daran beteiligt sind. Tatsächlich kennt man von den Vögeln eine Reihe verschiedener Pigmente, die das Spektrum der typischen braunen, rotbraunen, grauen oder schwarzen Melaninfarben erweitern. Und dabei sind es erst relativ wenige Vogelarten, deren Federn überhaupt auf ihre Pigmente hin untersucht wurden.

Pigmente müssen chemisch aufgebaut werden, entweder vom Vogel selbst wie die Melanine oder von Pflanzen und gewissen Mikroorganismen wie die Carotinoide. Die Carotinoide werden von Vögeln und anderen Tieren immer mit der Nahrung aufgenommen, denn sie können von tierischen Lebewesen nicht selbst hergestellt, sondern höchstens umgewandelt werden. Nach den Melaninen sind Carotinoide die am zweithäufigsten in Vogelfedern gefundenen Pigmente, und sie spielen wie letztere nicht allein für die Farbgebung eine Rolle. Manche Carotinoide wirken als Radikalfänger und sind daher wichtig für die Gesundheit der Tiere – auch für solche Arten, die sie nicht in ihre Federn einlagern.

 

Blaue Federpigmente gibt es nicht, grüne sind selten

Rote, orange und gelbe Gefiederfarben gehen meistens, aber nicht immer auf Carotinoide zurück. Es gibt mindestens sechs weitere Arten von Pigmenten, die diese Farben in Vogelfedern hervorrufen. Während das Gelb der Kanarienvögel auf Carotinoidpigment beruht, geht das wunderbare Rot des Edelpapagei-Weibchens auf Psittacofulvine zurück. Die schon erstaunlich früh von Forschern entdeckten Psittacofulvine kommen einzig bei den Papageienvögeln vor und bewirken in dieser ausgesprochen bunten Vogelgruppe ebenfalls rote, gelbe und orange Farben. Besonders ausgeprägt sind sie offenbar bei Loris, in verdünnter Konzentration verleihen sie aber auch dem Molukkenkakadu seine rosa Färbung. Im Gegensatz zu den Carotinoiden werden diese ungewöhnlichen Pigmente der Papageienvögel nicht mit der Nahrung aufgenommen.

Es sind nur relativ wenige Farben, die durch Federpigmente entstehen können. Gerade die brillantesten, glänzenden Farben sind durch Pigmenteinlagerungen gar nicht „machbar“. Blaue Pigmente in Vogelfedern gibt es offenbar nicht und grüne Porphyrin-Pigmente sind in der Vogelwelt äusserst selten. Blaue Farbtöne, silbriger Glanz, irisierendes Violett und Ultraviolett sind indes Strukturfarben.

Strukturfarben entstehen durch Lichtbrechungseffekte, welche bei Vögeln durch den Feinaufbau der Federn zustande kommen. Eingelagerte Melaninpigmente beispielsweise erscheinen dann von aussen betrachtet nicht mehr schwarzbraun, sondern vielleicht blau oder metallisch schillernd. Manche der brillantesten Farben im Vogelreich und die meisten grünen Gefieder kommen als Kombination von Struktur- mit Pigmentfarben zustande. Auch das Grün der Wellensittiche beruht auf der Kombination einer blauen Strukturfarbe mit gelbem Pigment.

Trotz den beträchtlich erweiterten Möglichkeiten durch Strukturfarben sind natürlich nicht alle erdenklichen Farben des uns bekannten Spektrums im Gefieder der Vögel verwirklicht. Violette Farbtöne beispielsweise findet man in der Vogelwelt selten. Der Rotbartspint (Nyctyornis amictus) aus Südostasien hat jedoch eine violette Stirn, deren Farbe sich deutlich von allen anderen bekannten Gefiederfarben der Vögel unterscheidet. Er bringt sein einzigartiges Violett als kombinierte Carotinoidpigment- und Strukturfarbe zustande.  

 

Publiziert (leicht verändert) in: Tierwelt Nr. 6, 10. Februar 2012

© E. Wullschleger Schättin

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