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Bankivahuhn

 

Die Ahnen des Haushuhns sind gefährdet

Das Bankivahuhn kommt in mehreren Unterarten in Indien und Südostasien vor. Auch als Rotes Kammhuhn bekannt, steht es am Anfang der Domestikation unserer Haushühner. Leider ist es durch Kreuzungen mit freilaufenden Haushühnern bedroht.  
      
      Es ist nicht einfach, reinerbige wilde Bankivahühner anhand ihres Erscheinungsbildes zu identifizieren, erklärt der indische Biologe Dr. Mukesh, der seine Doktorarbeit zum Thema Artenschutzgenetik des Bankivahuhns schrieb. Er war im Februar 2008 im Nandani Wildlife Sanctuary in Jammu (Nordwestindien) unterwegs, um Blutproben der scheuen Hühner für genetische Untersuchungen zu sammeln. Zwar sah er schon am zweiten Tag ein paar Bankivahühner, doch um ihren Schlafbaum zu finden brauchte er zwei Wochen. Auch der Lebendfang der Hühner mit Schlingenfallen erforderte einiges an Geschick und Aufwand. Dabei kamen dem Biologen die Haushühner der Gujjars – eines indigenen Volkes, welches in diesem offenen Schutzgebiet lebt – recht unerwartet zu Hilfe.
      „In den Morgenstunden sah ich jeweils eine Gruppe von Haushühnern der Gujjars, die auf dem Kulturland nach Körnern suchten. Eines Tages, als ich für eine Weile an der Stelle blieb, hörte ich das Krähen eines Bankivahahnes vom nahe gelegenen Waldstück her. Ich versteckte mich in Lantana-Büschen, und bald darauf flogen ein Bankivahahn und zwei Hennen herbei und landeten direkt vor mir.“ Der junge Biologe war sehr überrascht, die Wildhühner mitten in der Brutzeit mit Haushühnern zusammen zu sehen. Er wusste, dass sich Haus- und Bankivahühner auf Nahrungssuche in Waldrandlagen häufig begegnen, doch war dies das erste Mal, dass er es selber beobachten konnte.
      Es lag auf der Hand, den Hühnern am nächsten Morgen früh an der Stelle nochmals aufzulauern. Noch in der Dunkelheit versteckten sich Dr. Mukesh und sein Assistent im Gebüsch und hielten Kameras bereit, um das Geschehen im Bild festzuhalten. Die beiden hatten Körner als Lockmittel ausgestreut und in der Nähe Fallen aufgestellt. Tatsächlich trafen die Haushühner bald wieder ein. Nach einiger Zeit gespannten Wartens hörten die Biologen den Ruf des Bankivahahnes. Wieder flog dieser mit zwei Hennen herbei. Auf der Suche nach Körnern mischten sie sich mit den Haushühnern, wobei der Wildhahn gelegentlich vom Haushahn etwas weggejagt wurde. Ein leises Geräusch genügte am Ende, die Wildhühner aufzuschrecken, und da eine der Hennen auf die Fallen zu rannte konnten sie die Forscher für eine Blutprobe einfangen.


Riesiges Verbreitungsgebiet

      Bankivahühner wirken relativ klein und zierlich im Vergleich zu Haushühnern, doch Mischlinge mit letzteren sind manchmal auch für erfahrene Biologen nicht einfach zu erkennen. Der Bankivahahn trägt ein Prachtgefieder mit goldgelben Kragenfedern und langen, metallisch glänzenden Schwanzfedern, wie es von Haushähnen der ursprünglichsten Farbschläge bekannt ist. Am ehesten ähnelt er wildfarbenen Zwerg-Italienern. Die etwas kleineren Bankivahennen tragen ein unscheinbares braunes Federkleid, welches ihnen eine gute Tarnung verleiht.
      Verwandtschaftlich zählt der Urahn unserer Haushühner zu den Kammhühnern, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in der indo-malayischen Region haben. Keines der drei anderen Kammhühner und kaum ein anderer Fasanenvogel hat eine derart ausgedehnte Verbreitung wie das Bankivahuhn. Sie reicht vom nördlichen und zentralen Indien über das kontinentale Südostasien bis hin zu den indonesischen und philippinischen Inseln, wobei es auf letzteren möglicherweise eingeführt wurde. Über dieses enorme Verbreitungsgebiet hinweg haben sich die Bankivahühner in fünf verschiedene Unterarten aufgesplittert, die sich in einigen Merkmalen unterscheiden.


Der Hahn trägt zeitweise ein Schlichtkleid

    Wo Bankivahühner vorkommen sieht man gelegentlich etwas seltsame Hähne, die einen völlig schwarzen Hals ohne verlängerten Federbehang aufweisen. Dabei handelt es sich nicht um eine exotische Hühnerrasse, sondern um Bankivahähne im Schlichtkleid. Nach der Brutzeit, etwa im Juni, verlieren sie die langen goldgelben Halsfedern und wirken dadurch im Hals- und Brustbereich völlig schwarz, bis sie nach September wieder ins Prachtkleid mausern.
      Das Auftreten eines Schlichtkleides weist auf Wildhuhngene hin, doch ist es leider kein verlässliches Zeichen für die genetische Reinheit von Bankivahähnen. Andere Eigenschaften, die als Merkmale reiner Wildhühner galten, erwiesen sich ebenfalls als wenig verlässliche Anzeichen genetischer Reinheit, etwa der bei Bankivahennen weitgehend fehlende, nur ansatzweise zu erkennende Kamm. Sogar das scheue, dem Menschen gegenüber auffallend ängstliche Wesen der Bankivahühner wurde bei gekreuzten Kücken noch beobachtet.
      Wahrscheinlich werden Begegnungen freilaufender Haushühner mit Bankivahühnern zunehmen, denn der Druck auf die Naturräume ist in vielen Gebieten Asiens gross. Dadurch steigt auch die Gefahr, dass es häufig zu Kreuzungen kommt. Kann dieses faszinierende Wildhuhn in seiner ursprünglichen Form vor dem stillen Verschwinden bewahrt werden?  

 

Publiziert in Tierwelt Nr. 1/2, 9. Jan. 2014

© E. Wullschleger Schättin



Genetischer Austausch zwischen Bankivahuhn und Haushühnern
„Das Bankivahuhn ist in seinem ganzen Verbreitungsgebiet bedroht, vor allem durch die Wilderei und durch den Verlust und die Zerstückelung seiner Lebensräume. Dorfbewohner nutzen das Wildhuhn auch, um es in ihre Haushühner einzukreuzen. Dieser wundervolle Vogel ist in seiner genetisch reinen Form vom Verschwinden bedroht, da Kreuzungen wilder Bankivahühner mit verwilderten oder freilaufenden Haushühnern vorkommen, vor allem am Rand bewaldeter Gebiete. Dadurch können Gene von Haushühnern in den Wildbestand der Bankivahühner gelangen. Das Wildlife Institute von Indien, Dehradun, hat von 2006 bis 2012 unter Leitung von Dr. S. Sathyakumar eine nationale Forschungsstudie zur Gefährdungslage des Bankivahuhns in Indien durchgeführt. Durch genetische Analysen wurden dabei in der Wildnis wie auch in Zoos/Tierparks reine Wildvögel und Mischlinge festgestellt. In Zoos waren die Vögel ohne Kenntnis ihrer genetischen Identität nachgezüchtet worden.“
Dr. Mukesh, Wildlife Institute of India, Dehradun


Die Unterarten des Bankivahuhns
Indisches Bankivahuhn (Gallus gallus murghi): nördliches und zentrales Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesh; Halsfedern des Hahns hell gelblich und lang; Ohrscheiben klein und meist rötlich
Burma-Bankivahuhn (G. g. spadiceus): Nordostindien bis Südchina, Malayische Halbinsel, Nord-Sumatra; ähnelt murghi, doch Halsfedern dunkler goldgelb; Ohrscheiben rot und klein
Tonkin-Bankivahuhn (G. g. jabouillei): Südchina bis nördliches Vietnam und Laos; Halsfedern relativ kurz und goldgelb, Ohrscheiben rot und klein
Cochinchina-Bankivahuhn (G. g. gallus): Indochina; Ohrscheiben gross und weiss, Halsfedern lang und goldorange bis hellrot
Java-Bankivahuhn (G. g. bankiva): Java, Indonesien; Halsfedern goldgelb, relativ kurz, breit und an der Spitze abgerundet

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