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Papageien

"Wandervögel" vermeiden!

Die Pflege von Papageien erfordert Fachwissen und Fingerspitzengefühl. Vor allem wenn die Vögel psychisch beeinträchtigt sind, kann es schwierig werden. Regula Germann, Zootierpflegerin, hat einige Problemvögel in Pflege und berät PapageienhalterInnen in Verhaltensfragen.


    Papageien sind keine einfachen Pfleglinge und niemand sollte sich scheuen, bei auftretenden Problemen fachkundigen Rat einzuholen. Doch das tun nach Regula Germanns Eindruck viele Leute nicht so gerne. Die ausgebildete Zootierpflegerin aus Eichberg SG hat sich auf die Papageienkunde spezialisiert und ist unter anderem als Beraterin bei Verhaltensfragen und Vergesellschaftungsproblemen mit Papageien tätig. Sie erhält auch Anfragen vom kantonalen Veterinäramt oder von spezialisierten Tierärzten zugewiesen und erfährt so immer wieder von Problemfällen rund um Papageien. „Es ist schade, dass viele Leute einfach etwas ausprobieren, und wenn es nicht geht, geben sie den Vogel weg,“ meint Regula Germann. „Der nächste hat dann das Problem mitgekauft.“
    Annoncen auf Internetplattformen lassen darauf schliessen, dass Problemvögel keineswegs selten abgegeben werden. „Für vielleicht 300 bis 500 Franken geht der Vogel zum nächsten Halter. In der Regel geht es etwa vier bis sechs Monate, bis er sich am neuen Ort eingelebt hat, und dann fangen die Macken an,“ erzählt Regula Germann. Nicht selten werden die verhaltensauffälligen Tiere zu eigentlichen Wandervögeln, die von einem Platz zum nächsten weitergereicht werden, bis sie schliesslich wie viele andere in einer Papageien-Auffangstation landen.


Mangelnde Information

    Verhaltensgestörte Papageien, die vielleicht beissen, die sich rupfen oder unaufhörlich schreien, können Papageienhalter zweifellos an den Rand ihrer Kräfte bringen. Gerade unerfahrene Anfänger kommen mit solchen Tieren oft nicht zurecht. Häufig handelt es sich um Vögel, die von ihren Artgenossen (auch den Nestgeschwistern) isoliert von Hand aufgezogen wurden. Dadurch bringen sie erhebliche Defizite beim Erlernen ihres arteigenen Sozialverhaltens mit sich und sind womöglich auf den Menschen fehlgeprägt. Doch auch bei vollkommen gesunden Tieren werden zuweilen Fehler gemacht, die Regula Germann schlicht nicht begreifen kann. Manchmal erfährt sie von erschreckendem Leichtsinn im Umgang mit Papageien, von schweren Fehlern, die man durch Nachfragen bei einer Fachperson hätte vermeiden können. „Leute, die eigentlich Erfahrung haben sollten, setzten einen flugunfähigen Mohrenkopfpapagei in eine Gruppe. Dann war das Tier tot.“
    „Der grösste Fehler ist, dass sich die Leute nicht wirklich gut informieren,“ glaubt Regula Germann. Manche belassen es beim Rat ihres Züchters und nehmen alles für bare Münze, was ihnen da erzählt wird. Es kann aber vorkommen, dass auch Züchter ahnungslos falsche Informationen weitergeben. Ein Züchter habe Interessenten gesagt, dass sie einen Graupapagei problemlos mit einer Amazone zusammen halten könnten. Dabei wären beide Vögel auf artgleiche Gesellschaft angewiesen. Viele Probleme liessen sich vermeiden, wenn die Vögel von Anfang an artgerecht gehalten und mit verträglichen Artgenossen vergesellschaftet würden.


Heikle Zusammenführung

    Die Vergesellschaftung von Papageien ist jedoch nicht so einfach. „Gerade bei der Vergesellschaftung wird viel falsch gemacht“, sagt Regula Germann. „Die Leute denken einfach, Papageien seien Schwarmtiere und deshalb glücklich über die Gesellschaft. Aber wir lassen ja auch nicht jeden gleich in die Wohnung.“ Natürlich sind Papageien in der Natur oft in grösseren Schwärmen oder Verbänden unterwegs, doch einen engeren Kontakt gehen sie meist nur mit ihrem Partner und allenfalls ihnen bekannten Gruppengefährten ein. Während sich die Paare in der Natur selbst finden können, muss der Mensch für die vergleichsweise beengte Haltung in Volieren Vögel wählen und zusammenbringen, die von ihrem Wesen her gut zusammenpassen und miteinander harmonieren. Passende Tiere findet man nicht immer auf Anhieb, und die Zusammenführung von Papageien, die einander noch fremd sind, erfordert viel Zeit und Geduld. „Da muss man so viel berücksichtigen. Papageien zu vergesellschaften ist eine längere Angelegenheit.“
    Von daher sieht es Regula Germann kritisch, wenn aufgrund der Tierschutzverordnung eine sofortige Vergesellschaftung von einzeln gehaltenen Papageien gefordert wird. „Da kommt jeder in Panik, der ein Einzeltier zu Hause hat.“ Überstürzte Handlungen sind offenbar die Folge, denn Tierärzte und andere Experten berichten von deutlich mehr verbissenen Papageien.
    Ein weiteres Problem stellen Vogelpaare dar, die aus artfremden Partnern bestehen, weil sie aus Unkenntnis früher so zusammengestellt wurden. Die Kommunikation zwischen den beiden ist vor allem dann schwierig, wenn es sich um Arten mit sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen handelt. Eigentlich müsste man die Tiere je mit einem Artgenossen zu vergesellschaften versuchen. Doch Regula Germann ist überzeugt, dass dies nicht in jedem Fall sinnvoll wäre. Gelegentlich kommt es auch zu spontanen Annäherungen von Papageien unterschiedlicher Arten in einer Gemeinschaftsvoliere. Ein Goffin-Kakadu aus Germanns Pflegestation scheint einen Freund in einem Nacktaugenkakadu gefunden zu haben, und seither unternehmen die beiden alles gemeinsam. So erlebt Regula Germann während ihrer Arbeit mit den Papageien selber immer wieder Überraschungen und lernt laufend Neues über diese faszinierenden Tiere.

 

Beratung zu Papageien: Zoologische Station Phönix, Regula Germann, Kapfstr. 51, 9453 Eichberg, Tel. 079 265 62 23, Internet www.station-phoenix.ch

Buchtipp: Papageienverhalten verstehen. Volker Munkes, Heidrun Schrooten; Edition Gefiederte Welt, Ulmer Verlag, 2008, ISBN 978-3-8001-5446-3

 

Publiziert in: Tierwelt Nr. 11, 19. März 2010

© E. Wullschleger Schättin

 

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