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Paradiesvögel

 

Die Vögel aus dem Paradies

Farbenpracht und filigrane Schmuckfedern, kunstvolle Balztänze und eine grosse Vielfalt an Erscheinungsformen kennzeichnen die Paradiesvögel. Dabei sind diese „Showstars“ der Vogelwelt nahe verwandt mit den Rabenvögeln. Ihre Heimat ist die Tropeninsel Neuguinea.

Als die Spanier auf der Suche nach wertvollen Gewürzen erstmals die indonesischen Molukken-Inseln erreichten, so erzählte später der Naturforscher Alfred R. Wallace, „wurden sie mit getrockneten Vogelbälgen beschenkt, die so seltsam und schön waren, daß sie die Bewunderung selbst jener nach Reichthum jagenden Seefahrer erregten.“ Sie waren als würdige Geschenke für den König von Spanien gedacht. Doch niemand hatte diese Geschöpfe je lebend gesehen und so wusste auch niemand, dass ihre Bälge unvollständig waren, die seit schätzungsweise 5000 Jahren so in Südostasien gehandelt wurden. Die Bälge mit der kostbaren Federpracht stammten aus Neuguinea, und wie es dort der Tradition entsprach, wurden ihnen beim Präparieren jeweils die Füsse und Flügel abgeschnitten. Dadurch waren sie leichter zu tragen und die schönen Federn kamen besser zur Geltung.

Nach der Lebensweise dieser seltsamen Tiere gefragt erwiderten die malaysischen Händler, es handle sich um Göttervögel. Sie würden sich im Himmel von Tau ernähren und erst zur Erde fallen, wenn sie sterben. Sie schweben in der Luft, ohne Flügel zu gebrauchen, und wenden sich stets gegen die Sonne. Geschichten dieser Art begleiteten die ersten Bälge nach Europa, wo diese als vermeintlich unirdische Geschöpfe für enormes Aufsehen sorgten. Die Verklärung blieb selbst dann noch bestehen und wurde gelegentlich weiter publiziert, als zu Beginn des 17. Jahrhunderts mehr und mehr vollständige Bälge mit auffallend grossen, krähenartigen Füssen nach Europa gelangten. Wohl als Erinnerung an die wundersamen Erzählungen gab später Carl von Linné dem Grossen Paradiesvogel den wissenschaftlichen Namen Paradisaea apoda, übersetzt der „fusslose“ Paradiesvogel.


Spektakel der Farbenpracht

Die Balz des Grossen Paradiesvogels muss Alfred R. Wallace zutiefst beeindruckt haben, als er sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf Neuguinea aufhielt. Er beschrieb die balzenden Vögel als „eines der schönsten und wundervollsten aller Lebewesen“. Wie die meisten Arten der Gattung Paradisaea balzen die Grossen Paradiesvögel gemeinschaftlich auf einer Arena. Sie versammeln sich dazu hoch oben in einer lichten Baumkrone und locken mit aufgeregten Rufen die unscheinbaren Weibchen herbei. Auch junge Hähne, noch im Schlichtkleid, finden sich ein, um zu üben und vom Vorbild der älteren Hähne zu lernen. Etwa vier bis fünf, manchmal bis zu acht ausgewachsene Hähne tanzen flatternd umher, spreizen ihre filigranen, goldgelben Schmuckfedern über den Rücken auf und schütteln sie. So leuchten die Vögel schon von weitem aus dem Geäst heraus. Ihr Prachtgefieder wird erst im Alter von sechs bis sieben Jahren vollständig ausgeprägt. Der schönste Hahn auf der besten Stelle, zuoberst in der Hierarchie, kann sich mit den meisten Hennen paaren. Diese zeigen sich ausgesprochen wählerisch. So sichern sie sich gute väterliche Gene für die Nachkommen, welche sie vollkommen alleine aufziehen.

Dieses gemeinschaftliche Balzspektakel ist indes nur eine von vielen verschiedenen Varianten, wie Paradiesvögel um die Aufmerksamkeit ihrer Hennen werben. So bunt die Vielfalt an Prachtkleidern der verschiedenen Paradiesvogelarten ist, so verschiedenartig sind teils ihre Balzweisen. Der Blauparadiesvogel (Paradisaea rudolphi) etwa balzt alleine kopfunter an einem Ast hängend, nachdem er mit seinen klagenden Rufen ein Weibchen angelockt hat. In dieser hängenden Position breitet er plötzlich die herrlich blauen Schmuckfedern wie zu einem Schirm aus und präsentiert sich so der Henne, wobei er sich wippend bewegt und einen seltsamen, rhythmisch vibrierenden Ton von sich gibt.

Der Kragenparadiesvogel (Lophorina superba) ist durch einzigartige Filmaufnahmen der BBC weitherum bekannt geworden, denn balzend erinnert er frappant an eine Comicfigur. Dieser ansonsten schwarze Vogel besitzt einen Brustschild aus metallisch glänzenden, grünblauen Federn, die er aufspreizen kann. Auch am Kopf befinden sich hell grünblau glänzende Partien. Wenn eine Henne in seine Nähe kommt, beginnt der Hahn mit einer geradezu grotesken Darbietung. Er spreizt seine verlängerten Nackenfedern zu einem schwarzen Oval auf und den Brustschild zu einer irisierenden Fläche davor. Der helle Brustschild wirkt zusammen mit den beiden ebenso hellen Kopfpartien wie ein „Maul und zwei Augen“ in dem dunklen Federkranz. So hüpft der Vogel vor der Henne hin und her und sieht dabei aus wie ein ovales Gesicht auf zwei Beinen.

Die wohl raffiniertesten Tänzer unter den Paradiesvögeln sind indes die Strahlenparadiesvögel (Parotia). Die Männchen dieser zierlichen Vögel balzen am Boden und pflegen dazu ihren Balzplatz mit grossem Aufwand. Jedes Blatt, das auf die leergeräumte Arena fällt, wird sofort entfernt, damit nichts die kommende Darbietung stört. Wenn sich Weibchen einfinden und auf einem Ast über der Arena niedersitzen, beginnt der Hahn mit seinem einzigartigen Ballerina-Tanz. Mit abgespreizten Federn, die tatsächlich an ein Röckchen erinnern, trippelt er auf dem Boden hin und her. Dabei schüttelt er den Kopf und bewegt so seine sechs drahtartigen Schmuckfedern des Kopfes, die er nun nach vorn gerichtet hat. Dann lässt der tänzelnde Vogel seine reflektierenden Brustfedern im Waldlicht spielen.

Der Wimpelträger (Pteridophora alberti), auch bekannt als „König von Sachsen“, beeindruckt durch zwei lange Schmuckfedern am Kopf, die er zum Balzen mit grossen Muskeln bewegen kann. Sie erinnern mit ihrer auffälligen Strukturierung an Wimpel und sind von weitem gut zu sehen. Paradieselstern wiederum tragen besonders lange Schwanzfedern. Wie zwei weisse Bänder wirken die Schwanzfedern ausgewachsener Hähne der Schmalschwanz-Paradieselster (Astrapia mayeri), die bis einen Meter Länge erreichen. Der kleinste Paradiesvogel ist mit 15cm Körperlänge der oberseits plüschrote Königsparadiesvogel (Cicinnurus regius), der grösste die glänzend schwarze Kräuselparadieskrähe (Manucodia comrii) mit 44cm Körperlänge. Letztere zählt zu einer Gruppe von urtümlicheren Paradiesvögeln, die noch monogam sind und kein sonderlich auffälliges Balzverhalten zeigen.

Die so vielgestaltige Vogelgruppe der Paradiesvögel stammt aus Neuguinea, einer einzigartigen Tropeninsel, welche einst durch die Nordwärtsbewegung des australischen Kontinents aufgefaltet wurde. Sowohl im Tiefland als auch im Gebirgszug, der die Insel quer durchzieht, wachsen üppige Tropenwälder. Sie bieten den Vögeln reichlich Nahrung wie Früchte, Nüsse oder Insekten, und nur wenige Säugetiere machen ihnen dabei Konkurrenz. Grössere Raubsäuger kommen auf der Insel nicht vor. Das ist wohl ein Grund, weshalb die Paradiesvögel ein Gefieder von verschwenderischer Schönheit und aufwändig inszenierte Balzrituale entwickeln konnten. Die Landschaften Neuguineas sind stark fragmentiert, zerklüftete Felszüge und andere Barrieren unterteilen die Vorkommen der Wildtiere, die sich dadurch oft in neue Arten aufspalteten.

Paradiesvögel bewohnen tropische und subtropische Regenwälder, oder zumindest Lebensräume mit ähnlich dichter Vegetation. Fast alle der 42 Arten leben auf Neuguinea und den umliegenden Inseln, lediglich zwei kommen einzig auf den Molukken vor und zwei weitere sind auf die feuchten Küstenwälder Ostaustraliens beschränkt. Selbst in Australien, wo sich im Lauf der Erdgeschichte lichtere und trockenere Lebensräume ausgebreitet haben, hat sich keine Paradiesvogelart weit ausserhalb der Wälder angesiedelt. Viel flexibler in dieser Hinsicht haben sich ihre nahen Verwandten, die heutigen Rabenvögel, entwickelt. Von deren Heimat Australien, wo sie entstanden waren, haben sich die schwarzen Gesellen praktisch in alle Welt ausgebreitet.


Begehrter Federschmuck

Die Paradiesvögel sind von ausserordentlich grosser Bedeutung in der Kultur Melanesiens, vor allem auf der Insel Neuguinea. Wahrscheinlich seit Zehntausenden von Jahren, seit Menschen die Insel besiedeln, wurden die wunderschönen Federn dieser Vögel geschätzt und gehandelt. Entsprechend wurden Paradiesvögel wohl seit Urzeiten wegen ihrer Federpracht gejagt. Ihre Federn und Bälge wurden als Symbole von Reichtum und Status oder in Zeremonien bei Tänzen getragen und spielten eine wichtige Rolle in der Mythologie. Sie wurden als Zahlmittel für Brautpreise oder als Kompensation zur Streitschlichtung zwischen Stämmen eingesetzt. Vor allem im Hochland Neuguineas haben Paradiesvogelfedern bis heute eine grosse wirtschaftliche Bedeutung für die lokale Bevölkerung.

Die traditionelle Jagd hatte die Bestände der Vögel wohl nie ernsthaft dezimiert, denn die jagenden Männer mussten sich strikt auf ihre ererbten Landstücke beschränken. Sie achteten Überlieferungen zufolge selber darauf, die wertvollen Paradiesvögel auf ihrem Land nicht auszurotten. Vor dem Aufkommen von Strassen auf Neuguinea, die eine rasche Flucht ermöglichen, sowie effizienter Schusswaffen, war die Wilderei auf fremdem Land äusserst schwierig und riskant.

Erschreckende Ausmasse nahm der Handel mit Paradiesvogelfedern an, als begüterte Europäer auf die Federzier aufmerksam wurden. Für manche Kolonialverwaltungen auf Neuguinea wurde er gar zu einem wesentlichen Wirtschaftszweig, ausländische Abenteurer konnten dadurch auf ein Vermögen hoffen. Um 1900 wurden Zehntausende von Bälgen nach Europa und in die USA exportiert. Rund 155‘000 wurden allein an der Londoner Auktion von 1904 bis 1908 umgesetzt. Unmengen der filigranen Schmuckfedern von Paradisaea-Hähnen bedienten den Markt für die Hutmode vornehmer Damen. Um 1931 wurde schliesslich ein Handelsverbot vereinbart, dessen Durchsetzung sich aber weiterhin als schwierig erwies.

Leider werden Paradiesvogelfedern noch immer illegal an Touristen verkauft oder im Ausland, etwa in Indonesien, illegal vertrieben. Auf legale Weise verlassen Paradiesvögel heutzutage Papua Neuguinea nicht mehr, ausser mit ausdrücklicher Genehmigung der Regierung für wissenschaftliche und nichtkommerzielle Zwecke. Die traditionelle Jagd bleibt indessen erlaubt. Ein paar Clans profitieren mittlerweile vom Naturtourismus: Sie führen Touristen zu den Balzplätzen der Paradiesvögel auf ihrem Land und verdienen dadurch ein wenig Geld. Vereinzelt werden Paradiesvögel in Zoos nachgezüchtet. Da ihr Lebensraum in der Natur durch die Abholzung weiter schwindet, könnte sich der Aufbau von Nachzuchtpopulationen als wichtig für den Erhalt dieser einzigartigen Vögel erweisen.  
      

Balzende Paradiesvögel im Internet

Grosser Paradiesvogel: Arkive - Images of Life on Earth Greater Bird of Paradise
Raggi-Paradiesvogel: Arkive - Images of Life on Earth Raggiana Bird of Paradise 
Blauparadiesvogel: Arkive - Images of Life on Earth Blue Bird of Paradise
Kragenparadiesvogel: Arkive - Images of Life on Earth Superb Bird of Paradise
Interaktive Karte mit Bildern und einigen Filmen (auf englische Vogelnamen klicken): National Geographic - Interactive Map 

 

Publiziert (leicht verändert) in Tierwelt Nr. 16, 22. April 2011
© E. Wullschleger Schättin

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