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Ein Rennmausheim als Minilebensraum

Mongolische Rennmäuse brauchen ein grosses Terrarium mit tiefer Einstreu, die ihnen das Graben von Gängen erlaubt. Mit allerlei Materialien lässt sich der künstliche Lebensraum der kleinen Wühler bereichern, was für zusätzliche Beschäftigung sorgt.  

In kleinen, mangelhaft eingerichteten Gehegen entwickeln Mongolische Rennmäuse früher oder später stereotype Verhaltensstörungen. Betroffene Rennmäuse scharren fast endlos in einer Ecke oder fallen, wenn sie in einem Gitterkäfig gehalten werden, durch ständiges Gitternagen auf. Solche Verhaltensstörungen sind ein Alarmsignal und zeigen an, dass sich die Rennmäuse in ihrer allzu monotonen Umgebung nicht wohl fühlen.

Gitternagen kommt auffallend oft bei einzeln gehaltenen Rennmäusen vor und könnte darauf hindeuten, dass die Rennmaus „abwandern“ und sich einen Gefährten suchen möchte. Rennmäusen, die dauernd in einer Ecke scharren, mangelt es häufig an genügend tiefer Einstreu, die ihnen das Graben von unterirdischen Gangsystemen ermöglichen würde. In einer artgerechten Haltung, die besser auf die grundlegenden Lebensbedürfnisse der Rennmäuse eingeht, kommen solche Verhaltensstörungen kaum mehr vor. Doch wie lässt sich das Leben der kleinen Wühler auf artgemässe Art bereichern?


Zur artgerechten Haltung von Mongolischen Rennmäusen gehört auf jeden Fall ein möglichst grosses Terrarium mit einer 25-40 Zentimeter tiefen Einstreu, worin die Tiere ihre Gänge graben können. Auch dürfen Rennmäuse nie einzeln gehalten werden: Die Anwesenheit mindestens eines verträglichen Artgenossen ist für diese geselligen Tiere wichtig. Mit viel Abwechslung im artgemässen Ernährungsplan, mit Unterschlupfen, Knabberästen und verschiedenen Strukturen zum Auskundschaften kann ihr Leben weiter bereichert werden.
      

Unterschiedliche Einstreu

Schon bei der Einstreu lässt sich mit unterschiedlichen Materialien eine gewisse Vielfalt in den Lebensraum der Rennmäuse einbringen. Als Grundsubstrat eignet sich eine handelsübliche, entstaubte Kleintierstreu aus Hobelspänen. Diese Streu bildet ein lockeres Substrat, die es grabenden und wühlenden Rennmäusen ziemlich schwer macht, dauerhafte Gänge zu schaffen. Zum Stabilisieren bringt man etwas Heu, Stroh oder trockenes Laub in das Rennmausterrarium ein. Unbedrucktes Papier oder unbehandelter Karton darf ebenfalls gegeben werden. Diese Materialien werden am besten auf der Oberfläche der Einstreu verteilt, wo sie von den Rennmäusen gefunden, zerlegt und mit der Zeit in die Tiefe verfrachtet werden. Hamsterwatte ist nicht zu empfehlen, da diese aus sehr feinen Fasern besteht und den kleinen Nagern gefährlich werden kann, sollten sie daran hängen bleiben. Es ist übrigens spannend zu sehen, wie sich die Gangsysteme im Rennmausterrarium durch die unermüdliche Wühltätigkeit der Tiere fast von Tag zu Tag verändern.


Terrarien im Verbundsystem

Herkömmliche Terrarien mit gut einem Meter Länge sind für Rennmäuse immer noch etwas klein, sehr grosse Terrarien sind jedoch entsprechend teuer, platzfordernd, weniger handlich zu reinigen und oft nicht leicht zu finden. Ein idealer Kompromiss zum Ausdehnen des Mäuselebensraumes ist das Zusammenschliessen verschiedener Terrarien mittels eines Verbindungsrohres, über das die Rennmäuse vom einen Terrarium ins andere wechseln können. So ist es möglich, unterschiedliche Substrate und eine reichere Auswahl an Strukturen anzubieten. Rennmäuse schätzen es sehr, auch einmal in Sand oder in echter Erde zu graben. Terrarien mit feuchtem Sand oder Erde sind jedoch schwierig hygienisch einwandfrei zu halten und müssen häufiger und intensiver gereinigt werden. Um Rennmäuse länger in einem solch natürlichen Substrat zu halten, damit sie darin dauerhafte Gänge anlegen können, würde es eine Drainageschicht und einen Wasserablauf brauchen, sowie ein gewisses Knowhow.

Wenn die Rennmäuse im Hauptterrarium Gänge graben können, darf ein kleineres Nebenterrarium aber auch eine trockene Sandstreu aufweisen, die zu wenig tief zum Graben ist und dafür eine reich strukturierte „Oberwelt“ mit Häuschen, einem sicher fixierten Stein als Aussichtspunkt, Wurzelstöcken, Pappröhren, Korkröhren oder ähnlichem bietet. Manche Rennmäuse nehmen auch ein Laufrad an, doch muss dieses absolut verletzungssicher sein (geschlossene Rückseite und geschlossene Lauffläche, keine Gitterspeichen). Solche Strukturen hätten bei hoher Streueinfüllung, wie sie für die Rennmäuse zum Graben mindestens im Hauptterrarium notwendig ist, keinen Platz mehr oder liessen sich nur schwer sicher befestigen. Schwere Gegenstände wie Steine oder Unterschlupfe aus Ton müssen unbedingt auf einer festen Unterlage stehen, denn wenn sie von den Rennmäusen untergraben werden, können sie für diese zur tödlichen Gefahr werden. Eine Alternative für Buddelterrarien: die schweren Stücke auf eine erhöhte Plattform (kleines Brett als Zwischenetage) stellen.


Zweige zum Benagen

Was die Ernährung der kleinen Renner angeht, so bieten sich verschiedene weitere Beschäftigungsmöglichkeiten. Der Ernährungsplan darf vielseitig sein, solange auf die artgemässen Nahrungsbedürfnisse Rücksicht genommen wird. Zweige aus der Natur und einige Wildkräuter, die vom Sammler einwandfrei erkannt werden, ergänzen das Angebot aus Supermarkt und Zoofachhandel. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die betreffenden Pflanzen für Rennmäuse verträglich sind. Als Zweige können Hasel, ungespritzte Obstbäume, Buche, Birke, Linde, Hagebuche, Weiss- und Rottanne gegeben werden. Weiden- und Pappelzweige sollten wegen ihrer Inhaltsstoffe nicht im Übermass angeboten werden. Eiche enthält zu viel Gerbsäure. Giftig sind unter anderem Eibe, Efeu und Heckenkirsche.  

 

Publiziert in: Tierwelt Nr. 26, 27. Juni 2008

© E. Wullschleger Schättin

 

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