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Indischer Pariahund

 

Die ursprünglichsten Hunde Indiens

Vor allem in abgelegenen Gebieten Indiens leben, seit Jahrtausenden kaum verändert, noch Hunde des ursprünglichen Typs. Indische Hundefreunde wollen diese Pariahs aus ihrem Schattendasein holen, denn in moderner Zeit werden sie allmählich verdrängt.

      Kaum ein anderes Land kennt so viele freilaufende Hunde wie Indien. Auch in den grösseren Städten wie Delhi oder Mumbai begegnen einem früher oder später Hunde, die vielleicht vor Hauseingängen, am Strassenrand oder in einem Parkgelände dösen. Die Streuner sind von ihrem Aussehen her bunt durchmischt. Einflüsse europäischer Hunde sind ebenso zu erkennen wie die typischen indischen Pariahs mit ihrem meist sandbraunen Fell und dem dingoähnlichen Erscheinungsbild. Doch reine Pariahs, die seit Jahrtausenden durch die natürliche Selektion geprägten Ur-Hunde Indiens, findet man in den grösseren Städten und Dörfern kaum mehr, meint die indische Hundekennerin Rajashree Khalap.
      Sie hatte zu einer Studie des Amerikaners Adam Boyko und seiner Mitarbeiter über die Genetik urspünglicher Hunde beigetragen, für welche auch indische Dorf- und Streunerhunde getestet wurden. Dabei zeigten die Gentests, dass in entlegenen Regionen noch ungekreuzte Hunde des ursprünglich heimischen Pariahtyps vorkommen. In wohlhabenderen Gegenden, wo auch fremdländische Hunde gehalten werden, jedoch kaum. Die Pariahs, wie sie seit Urzeiten im Land leben, werden offenbar zunehmend verdrängt.
      Khalap ist seit langem fasziniert von den Pariahunden und hat das INDog-Projekt begründet, um sie zu unterstützen und die Bevölkerung über sie zu informieren (INDogs, oder Indian Native Dogs, ist der offizielle Name für die indischen Pariahunde). Genau genommen sind diese früher weit verbreiteten Hunde eine Landrasse, ein ursprünglicher Hundeschlag, der sich auf dem Gebiet des indischen Subkontinents gebildet hatte. «Die meisten Leute in Indien verstehen nicht, was ein ursprünglicher Hund oder eine Landrasse ist», meint die engagierte Hundefreundin. Sie halten alle Streuner und «Hunde ohne Abstammung» für unbedeutende Strassenmischungen.
      Rajashree Khalap und ihre Mitarbeiter haben kleine Dörfer in Zentralindien besucht, um Vorkommen der ursprünglichen Pariahunde zu erfassen. «Die Bewohner der kleinen Dörfer sind sehr arm. Sie bilden nicht so viele essbare Abfälle, dass sich viele Streunerhunde davon ernähren könnten», erklärt Khalap. Die Pariahunde in den entlegenen Siedlungen sind praktisch alle in Besitz der Leute. Sie laufen frei herum, werden aber als Wächter geschätzt und begleiten die Hirten mit ihren Tieren in die umgebenden Wälder.
      Ernährt werden sie mit Nahrungsresten der Familie, oder es wird erwartet, dass sie selbst nach Nahrung suchen. Wie andere freilaufende Hunde jagen die Pariahs auch Wildtiere, doch der Druck auf die Natur und auf seltene Arten wird noch wesentlich grösser, wo streunende Hunde sehr zahlreich sind. Das ist in wohlhabenderen Gebieten der Fall, wo viele Abfälle herumliegen und sich Bestände von gemischten streunenden Hunden gebildet haben.


Eine Zukunft als standardisierte Rasse?

    Abgesehen von den Pariahs gibt es viele heimische Hunderassen in Indien, die ebenso Gefahr laufen, durch beliebte «Eurorassen» verdrängt zu werden.    Die meisten sind Windhunde wie der Caravan Hound, Chippiparai oder Kanni, einige sind Hütehunde in den Berggebieten. Diese Hunde sind ebenfalls an die lokalen Gegebenheiten angepasst, wurden aber gezielt für ihre Einsatzzwecke gezüchtet. Einige der Rassen können wohl relativ ursprünglich sein, erzählt Rajashree Khalap, doch setzen sich auch bereits Züchter und Fans für sie ein.  
      Der Kennel Club of India (indischer Hundezuchtverband) hat laut Khalap auch Interesse an den INDogs signalisiert und will Bemühungen unterstützen, sie zu standardisieren. Dabei soll das Erscheinungsbild der Hunde flexibel bleiben und nicht nach strengen Kriterien definiert werden, «sodass wir die INDogs nicht zu einer Showrasse reduzieren», meint die Hundekennerin. Die gute Gesundheit und die robuste Natur der Hunde sollen erhalten bleiben.
      Wie andere «Primitivhunde», die noch näher beim Wolf stehen als moderne Rassen, pflanzen sich die INDogs nur einmal im Jahr fort. Ihr Fell ist meist sand- oder rotbraun, manchmal mit weissen Abzeichen. Die Hunde sind äusserst vorsichtig und misstrauisch. Sie gelten als ausgezeichnete Wächter, die ihre Familie oder ihr Territorium energisch verteidigen, sind dadurch aber oft auch lärmig. Wie es charakteristisch für ursprüngliche Hunde ist, fallen sie durch ihre Intelligenz und ein ausgeprägt eigenständiges Denken auf.


Weitere Informationen: INDog-Projekt

 

Publiziert (leicht angepasst) in Tierwelt Nr. 21, 26. Mai 2017

© E. Wullschleger Schättin

 

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