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Die Maus mit Stachelkleid

Stachelmäuse tragen ein besonders stachelig-borstiges Fell am Hinterteil und Rücken, welches sie vor verschiedenen Beutegreifern schützt. Diese ungewöhnlichen Mäuse sind mittlerweile auch als exotische Heimtiere bekannt.

Stacheln, die sich aus besonders derben Borstenhaaren entwickelt haben, sind für kleine Säugetiere offenbar ein idealer Schutz vor Beutegreifern. Neben den Igeln und weiteren Kleinsäugern wie Igeltanreks haben gleich mehrere Arten von Nagetieren ein mehr oder weniger ausgeprägtes Stachelkleid entwickelt. Auf die Spitze getrieben haben diese Entwicklung zweifellos die Stachelschweine: Bis zu 40 Zentimeter lange, lanzettförmige, harte und spitze Stacheln dienen diesen merkwürdigen Geschöpfen als wirksame Verteidigungswaffe gegen Beutegreifer. Nützen Drohgebärden nichts, so können Stachelschweine einem vorwitzigen Angreifer die Stacheln ins Gesicht rammen. Selbst Löwen würden da gefährliche Verletzungen riskieren und gehen den wehrhaften Tieren aus dem Weg.

Unter kleineren Nagetieren gibt es ebenfalls einzelne, die mit harten Stachelhaaren Beutegreifer abzuschrecken suchen. Dazu zählen die in der Alten Welt beheimateten Stachelmäuse, die seit einigen Jahren auch als Heimtiere in Terrarien gehalten werden. Ihre Stacheln sind allerdings weit weniger beeindruckend als diejenigen von Igel und Stachelschwein. Sie beschränken sich auf das Hinterteil und den hinteren Rückenbereich dieser Mäuse und sind für unkundige Beobachter wohl erst auf den zweiten Blick im Mäusefell zu erkennen. Doch die vergleichsweise kurzen Stacheln bieten offenbar genügend Schutz vor Fressfeinden, denn ausgewachsene Stachelmäuse werden von Hauskatzen und anderen Beutegreifern wie Wüstenfüchsen oder Schlangen anscheinend nicht gerne gejagt.


Bewohner von Trockengebieten

Stachelmäuse leben in Trockengebieten, Wüsten und Savannen der wärmeren Klimazonen vor allem im östlichen Afrika bis hinunter zur Kapregion, vom Nahen Osten bis ins südliche Pakistan und vereinzelt in der östlichen Mittelmeerregion Europas, etwa auf Kreta und in der südlichen Türkei. Sie bevorzugen meist geröllreiche, steinige oder felsige Landschaften und bauen selber keine Gänge, sondern nutzen vorhandene Erdgänge oder andere Nischen als Unterschlupfe. Im Terrarium, das so gross wie nur möglich sein sollte, müssen für diese geschickten Kletterer neben Klettermöglichkeiten stets genügend Verstecke und Unterschlupfe vorhanden sein.

Manche Stachelmausarten sind in ihrem Wüstenlebensraum erheblichen Temperaturschwankungen ausgesetzt, wenn es tagsüber enorm heiss wird und nachts beträchtlich abkühlt. Die meisten Arten sind denn auch vorwiegend nacht- oder dämmerungsaktiv, weichen also der Tageshitze aus. Trotzdem sollten diese aus sehr warmen bis heissen Gefilden stammenden Mäuse auch im Terrarium genügend hohe Temperaturen erhalten. Es empfiehlt sich, eine Wärmelampe und eine zusätzliche Lampe mit UV-Anteil (für wüstenbewohnende Reptilien) anzubringen. Damit es nachts im Terrarium wie in der Natur abkühlen kann, wird nebst der Beleuchtung auch die Wärmelampe mittels Zeitschaltuhr gesteuert.
      
      
Mehrere Arten im Exotenhandel
 
Die Verhaltens- und Lebensweisen einzelner Arten von Stachelmäusen können sich trotz vielen Gemeinsamkeiten deutlich voneinander unterscheiden. Damit ist einmal mehr zu betonen, wie wichtig die korrekte Bestimmung von erworbenen Kleinnagern ist, um ihre artgerechte Haltung bestmöglich zu verwirklichen. Selbstverständlich sollten die Mäuse nicht artübergreifend gekreuzt werden. Im Zoofachhandel sind offenbar vor allem Sinai-Stachelmäuse (Acomys dimidiatus) einer besonders hellen Unterart zu finden, doch werden auch einige andere Arten wie beispielsweise die Ägyptische Stachelmaus (A. cahirinus) bei Privathaltern gezüchtet.

Die Ägyptische Stachelmaus ist ein weit verbreiteter Kulturfolger. Unter den rund 19 bekannten Arten gibt es aber auch Stachelmäuse, die als stark gefährdet gelten müssen! Die Türkei-Stachelmaus (A. cilicicus) ist in der Natur wahrscheinlich sogar vom Aussterben bedroht. Sie kommt nur an einer einzigen Stelle in Meeresnähe in der südlichen Türkei vor, was ihren bescheidenen Bestand äusserst anfällig auf Störungen macht.


Artgleiche Gesellschaft wichtig

Als Heimtiere gezogene Stachelmäuse werden hin und wieder als verträgliche Gesellschafter für Farbmäuse gepriesen oder mit anderen Mäusen wie etwa Vielzitzenmäusen vergesellschaftet. Doch eine solche Vergesellschaftung kann nur eine vorübergehende Notlösung sein. Eine Stachelmaus wird sich unter alleiniger Gesellschaft von artfremden Mäusen nie wirklich wohl fühlen. Mit ihrem reichen Sozialleben sind Stachelmäuse auf artgleiche Gesellschaft angewiesen, und dasselbe gilt natürlich für alle anderen gesellig lebenden Mäuse.

Bei einer allfälligen Gemeinschaftshaltung verschiedener Mäusearten ist zudem darauf zu achten, dass die Lebensansprüche der beiden Arten bestmöglich zusammenpassen. Farbmäuse beispielsweise sind viel weniger wärmebedürftig als die Stachelmäuse. In einem beheizten, für Stachelmäuse eingerichteten Wüstenterrarium würde es Farbmäusen bald einmal zu heiss, während Stachelmäuse in einem Farbmausterrarium eher zu kühl hätten. Stachelmäuse ernähren sich von Pflanzen, Sämereien und zu einem grossen Teil von tierischer Nahrung wie Insekten und Schnecken, in der Natur auch von Aas. Gewiss sind Stachelmäuse interessante Pfleglinge, doch müssen sich ihre Halter umfassend über ihre Lebensbedürfnisse informieren. Dazu ist das neu erschienene Buch der Biologin Sandra Honigs zum Thema sehr empfehlenswert.*

Publiziert in: Tierwelt Nr. 38, 19. Sep. 2008

© E. Wullschleger Schättin

*Stachelmäuse. Biologie, Haltung, Zucht. Von Sandra Honigs; Natur und Tier – Verlag 2008, ISBN 978-3-86659-040-3 (79 Seiten)

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