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Gorillas

 

5 vor 12 für die Gorillas

Gorillas zählen zu den am stärksten bedrohten Tieren. Das Umweltprogramm der UNO (UNEP) und der Weltzooverband (WAZA) haben 2009 zum Jahr des Gorillas erklärt, um auf die Not der sanften Riesen aufmerksam zu machen.

    Vor 50 Jahren reiste der amerikanische Zoologe George Schaller in die nebelumhüllten Virunga-Berge, um als erster Berggorillas in ihrem Lebensraum zu erforschen. Er erlebte eine ausgesprochen idyllische Zeit mit den zuvor kaum bekannten Tieren, wie er in seiner Grussbotschaft zum „Jahr des Gorillas“ erzählt. Täglich folgte er der Gorillagruppe durch den Wald, lernte ihr Verhalten, ihre Beziehungen untereinander kennen. Die Berggorillas gewöhnten sich bald an seine Anwesenheit, und so konnte er sich neben der Gruppe hinsetzen.
    „Es war eine absolut reizende Erfahrung“, berichtet Schaller. Die Tiere gingen ihm persönlich so nahe, dass es schon fast wie ein täglicher Besuch bei der Familie war. Seine Nachfolgerin Dian Fossey, welche die Forschungsarbeiten weiterführte, fand einen besonders innigen Zugang zu den Berggorillas. Die später weltberühmte Gorillaforscherin setzte sich auch mit allen Mitteln für den Schutz der Tiere ein, und bezahlte dies mit einem tragischen Tod. Viele weitere Forscher haben sich seither von den Berggorillas faszinieren lassen, darunter der Basler Zoologe Jörg Hess, der sich bis heute 45 Jahre lang intensiv mit Gorillas beschäftigt hat.


Besuch mit Respekt
     
    Berggorillas sind wie alle anderen Menschenaffen hochgradig gefährdet. Es existieren kaum mehr als etwa 700 Exemplare (die nah verwandten Bwindi-Gorillas eingerechnet). Ihre Lebensräume, die Bergregenwälder des Virunga-Gebiets, werden eingerahmt durch extrem dicht besiedeltes Land, das eine weiter wachsende Bevölkerung ernähren soll. Krieg und Gewalt erschwerten die Schutzbemühungen zeitweise auch in den Nationalparks. Doch nachhaltiger Tourismus bietet eine Chance, den Schutz der Tiere mit Erwerbsquellen für die Bevölkerung zu verbinden. Seitdem einzelne Gorillagruppen an den Besuch von Menschen gewöhnt wurden, haben unzählige Touristen (es sind nun rund 20’000 pro Jahr) die Gelegenheit genutzt, diese seltenen Tiere im Rahmen eines Gorillatrekkings aufzusuchen. Für den Besuch bei einer Gorillagruppe werden bis zu 500 US-Dollar verlangt, wobei die Einnahmen dem Schutz der Gorillas zugute kommen.
    Nicht alle Besucherinnen und Besucher scheinen sich bewusst, dass die Bedürfnisse der Tiere, die sie aufsuchen, ebenfalls zu berücksichtigen sind. Jörg Hess, zeitweise selbst als Reiseleiter zu den Berggorillas tätig, betont, dass man diesen Wildtieren mit Respekt begegnen soll. Nicht das eigene, sensationelle Erlebnis der Besuchenden soll im Vordergrund stehen. So wird wegen des Risikos von Krankheitsübertragungen ein Mindestabstand zwischen Touristen und Tieren von etwa sieben Metern gefordert. Gorillas sind anfällig auf viele menschliche Krankheiten und leider haben auch schon Touristen nichtsahnend Keime eingeschleppt, an welchen Tiere gestorben sind.
    Die Abstandsregel ist offenbar schwer einzuhalten, sie wurde gemäss einer Studie stellenweise fast täglich unterschritten. Nicht alle Touristen ziehen sich wie angeordnet gleich zurück, wenn sich ein verspieltes Gorillababy nähert. Für die Gorillas ist das Gesundheitsrisiko umso grösser, je näher ihnen eine Person kommt und je länger sie sich in ihrer Nähe aufhält, weswegen auch die Besuchszeit auf eine Stunde beschränkt wird. Trotz dieses Risikos wirkt sich der Tourismus im Ganzen günstig auf die Tiere aus, denn die Wilderei wird dadurch eingedämmt und mit den finanziellen Mitteln lässt sich einiges für ihren Schutz erreichen. Regelmässig besuchte Gorillagruppen können zudem tierärztlich besser betreut werden, etwa bei Verletzungen durch Fallen. Der Bestand der Berggorillas ist bedenklich klein, entwickelt sich jedoch bis anhin ziemlich gut.


Raubbau im Tropenwald

    Neben den Berggorillas existieren weitere Gorilla-Unterarten* in teilweise schwer zugänglichen Gebieten. Der Grauer-Gorilla ist heute vor allem auf das Kahuzi-Biega-Gebiet und dessen Umgebung im nordöstlichen Kongo beschränkt. Sein gesamtes Verbreitungsgebiet war ab den späten 1990er Jahren von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen, zudem befindet sich eine bedeutende Coltan-Mine darin (Coltan wird für kleine elektronische Geräte wie Handys benötigt). Marodierende Banden, Soldaten, Rebellen, Flüchtlinge, die Brennholz brauchen, und Mineure, welche die Rohstoffe ausbeuten, haben grosse Waldgebiete verwüstet. Wo die Menschen in die Wälder vordringen, werden Gorillas und andere Grosstiere massenweise gejagt und als „Buschfleisch“ genutzt oder verkauft.
    Im Westen des äquatorialen Afrika hat der Westliche Flachlandgorilla offenbar dramatische Bestandeseinbussen erlitten. Dem Holzeinschlag in den Regenwald folgten auch dort Wilderei und Buschfleischhandel. Seit den frühen 1990er Jahren hat zudem eine Serie von Ebola-Epidemien erhebliche Opfer unter den Westlichen Flachlandgorillas gefordert. Intensive Bejagung und Ebola-Ausbrüche sind weiterhin gravierende, schwer zu bewältigende Bedrohungsursachen. Laut IUCN wird ein Bestandesrückgang dieser Gorillas von über 80 Prozent innert drei Generationen befürchtet, und selbst nach optimistischen Szenarien würden die Bestände der sich nur langsam fortpflanzenden Tiere rund 75 Jahre brauchen, um sich zu erholen. Das Verbreitungsareal dieser Unterart ist jedoch riesig und genaue Bestandeszahlen sind nur schwer zu erheben.
    Der äusserst seltene Cross River-Gorilla, die zweite Unterart des Westlichen Gorillas, ist besonders stark gefährdet. Es sind kaum mehr als 300 Exemplare, die in den Hügeln um den Cross River leben, welcher als Grenzfluss zwischen Kamerun und Nigeria verläuft. Ein Grossteil ihres Lebensraums ist nicht geschützt und schrumpft weiterhin zusammen.


Westliche und Östliche Gorillas

Es existieren zwei Arten, der Westliche Gorilla (Gorilla gorilla) und der Östliche Gorilla (Gorilla beringei), mit verschiedenen Unterarten. Im östlichen Kongo leben die Unterarten des Östlichen Gorillas: der Grauer-Gorilla, der auch im angrenzenden Uganda und Ruanda vorkommende Berggorilla sowie der ihm nah verwandte Bwindi-Gorilla in Uganda. Im Westen des Kontinents, mehr als 1000 Kilometer von den Östlichen Gorillas entfernt, leben die zwei Unterarten des Westlichen Gorillas, der Westliche Flachlandgorilla und der Cross River-Gorilla. In Zoos leben heute fast ausschliesslich Westliche Gorillas (weltweit ca. 700 Individuen).

 

Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e.V.

 

Publiziert in: Tierwelt Nr. 47, 20. Nov. 2009

© E. Wullschleger Schättin

 

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