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Hermelin und Mauswiesel

 

Flinke Jäger und Meister der Tarnung

Hermelin und Mauswiesel sind unsere kleinsten heimischen Raubtiere. Ihr schlanker, langgezogener Körperbau erlaubt es ihnen, noch in engsten Ritzen und Mäusegängen der Beute nachzujagen.

Es kommt nicht mehr allzu häufig vor, dass man einem neugierigen Wiesel auf der Wiese begegnet. Hoch aufgerichtet, Männchen machend, blickt einen das Tier an und verschwindet dann typischerweise in einem Versteck, um gleich wieder aufzutauchen. Die flinken Kleinraubtiere, die mit ihrem langgezogenen Körper äusserst wendig nach Mäusen jagen, haben auf intensiv genutztem Kulturland offenbar Mühe zu überleben. Sie sind auf Verstecke und Unterschlupfe angewiesen und bewegen sich nur ungern über offenes Land, wo sie Beutegreifern wie dem Fuchs oder Greifvögeln ausgesetzt wären. Seit deckungsreiche Strukturen wie Hecken, Steinhaufen, natürlich gestufte Waldränder mit Krautsäumen und offene Bachläufe mit hohen Stauden am Ufer im Kulturland mehr und mehr verschwunden sind, haben auch die Bestände der Wiesel abgenommen.

Zwei Arten von Wieseln kommen in der Schweiz vor, wobei das kleinere, das Mauswiesel, wegen seiner vorwiegend unterirdischen Lebensweise seltener zu sehen ist. Es steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und ist in einigen Gebieten der Schweiz höchstwahrscheinlich akut gefährdet. Mauswiesel stellen eine Besonderheit unserer Fauna dar, denn sie sind die kleinsten Raubsäugetiere der Welt! Männliche Exemplare erreichen eine Körperlänge von fünfzehn bis neunzehn Zentimetern, während die Weibchen etwas kleiner bleiben. Sie bringen völlig hilflose, nackte, blinde und taube Junge zur Welt, die bei der Geburt kaum zwei Gramm wiegen.

Wegen ihrer geringen Grösse und der langen Körperform, die einen vergleichsweise grossen Wärmeverlust mit sich bringt, müssen Mauswiesel viel Nahrung aufnehmen. Sie sind entsprechend aktive, geradezu rastlose Jäger. Mit verblüffender Schnelligkeit stöbern sie Feldmäuse auf und folgen ihnen mühelos in den engen Mäusegängen unter der Erde oder unter der winterlichen Schneedecke. Die Beute wird blitzschnell überwältigt und meist mit einem Nackenbiss sofort getötet. Pro „Mahlzeit“ verzehren die Mauswiesel jeweils nur relativ kleine Mengen, müssen dies aber regelmässig tun, um ihren Energiehaushalt aufrecht zu erhalten. Wenn sie genügend Nahrung finden lagern sie daher die Reste als Vorrat in ihren Nestern oder in deren Nähe.

Das grössere und kräftigere Hermelin sieht dem Mauswiesel sehr ähnlich, lässt sich aber anhand seiner schwarzen Schwanzspitze gut unterscheiden. Der Schwanz des Mauswiesels ist deutlich kürzer und nie mit einer schwarzen Haarquaste versehen. Die beiden Wieselarten sind einander nah verwandt und haben ähnliche Lebensweisen, doch sie können sich nicht miteinander kreuzen. Manchmal fallen Mauswiesel dem grösseren Vetter sogar als Beute zum Opfer. Hermeline sind bezüglich ihrer Beute weniger stark auf Mäuse fokussiert, jagen aber vor allem die im Obstbau gefürchteten Schermäuse, die sie ebenfalls in den unterirdischen Gängen aufstöbern. Die etwas grosswüchsigeren Männchen des Hermelins sieht man am ehesten an der Oberfläche nach anderen Beutetieren jagen. Dabei können die Hermeline mit ihrem Überraschungsangriff erstaunlich grosse Beutetiere überwältigen, etwa Kaninchen.

Lebensraumvernetzung ist wichtig

An Nahrungsmangel kann es nicht liegen, dass die Wiesel in der Schweiz selten geworden sind. Wühlmäuse gibt es nach wie vor genug, wenn auch in zyklisch schwankenden Bestandesdichten. Vor allem das Mauswiesel hat sich an dieses schwankende Beuteangebot angepasst. In „guten“ Mäusejahren kann es sich schneller fortpflanzen als sonst, denn bei gutem Nahrungsangebot können die Fähen zweimal im Jahr trächtig werden. Die meist vier bis sechs Welpen eines Wurfes entwickeln sich rasch und können bis zum dritten Lebensmonat bereits selber Beute schlagen. Als Einzelgänger suchen sich ein eigenes Territorium, wenn sich der Familienverband auflöst. Dabei überlappen sich die Territorien von Rüden und Fähen teilweise, doch treffen sich die Geschlechter einzig zur Paarung und der Vater beteiligt sich nicht an der Aufzucht des Nachwuchses.

Ist die Zahl der Wühlmäuse an einem Ort zusammengebrochen, so wird es für die dort lebenden Mauswiesel prekär. In solchen Situationen wäre es für den Fortbestand dieser Tiere wichtig, dass Vernetzungskorridore zu benachbarten, günstigen Lebensräumen mit gutem Nahrungsangebot bestehen. Leider sind solche „Ausbreitungswege“ für die Wiesel durch die intensive Landnutzung ebenfalls vielerorts verloren gegangen. Das Hermelin ist bezüglich der Ernährung anpassungsfähiger und kann bei Mäuseknappheit besser als das Mauswiesel auf andere Beutetiere ausweichen.

Während sie hierzulande seltener werden, vermochten sich vor allem die Hermeline in Neuseeland gut zu vermehren, wo die beiden Wiesel im 19. Jahrhundert wie viele andere europäische Wildtiere angesiedelt wurden. Man hatte sich erhofft, dass sie die ebenfalls eingeführten Kaninchen eindämmen würden, die sich stark vermehrten. Die Wiesel wichen aber auch auf andere Beutetiere aus und wurden zur Gefahr für die einzigartigen flugunfähigen Vogelarten Neuseelands wie den bodenbrütenden Kiwi (sie müssen deshalb zum Schutz der dort heimischen Fauna reguliert werden). Wie es scheint, sind reich strukturierte, naturnahe Lebensräume mit genügend Deckung für die Wiesel von grösster Bedeutung, und solche finden sie im dünn besiedelten Neuseeland noch verbreitet vor.


Königliche Felllieferanten

Im weissen Winterpelz fällt die schwarze Schwanzspitze des Hermelins besonders deutlich auf. Die Mauswiesel bleiben dagegen im Winter braun, ausser in einigen Gebieten der Alpen, wo Populationen vorkommen, die die Fellfarbe ebenfalls wechseln. Die kleinsten Wiesel lassen sich aber ohnehin nicht oft an der Oberfläche blicken. Sie jagen allenfalls unter der Schneedecke nach Mäusen, wo es etwas wärmer ist. Auch das Hermelin wechselt nicht überall in seinem riesigen Verbreitungsgebiet vollständig in sein weisses Winterfell. Der Farbwechsel wird durch Hormone gesteuert, deren Konzentrationen von den Aussentemperaturen und der Tageslänge beeinflusst werden. In milden Wintern kann das Fell der Hermeline deshalb teilweise braun bleiben.

Das schneeweisse, dichte Winterfell des Hermelins war bereits seit dem Altertum für die Verarbeitung zu kostbarem Pelzwerk begehrt. Krönungsornate von Königen und Amtstrachten von anderen, auch kirchlichen Würdenträgern wurden mit dem weissen Pelz dieser kleinen Tiere versehen. Dabei wurden die Schwänze mit den schwarzen Enden oft als besondere Zier aufgenäht. Die Wiesel waren aber auch als Mäusejäger seit jeher beliebt und finden als solche reichlich Erwähnung in Erzählungen. Bevor die exotische Hauskatze als Mäusejägerin allmählich beliebter wurde, lebten verschiedentlich Wiesel in den Häusern der Menschen. Sie fielen aber durch gelegentliche Übergriffe auf die Lebensmittelvorräte und durch penetranten Geruch auf, mit dem sie ihr Territorium markierten.


Projekt zur Förderung der Kleinkarnivoren: Wieselnetz


© E. Wullschleger Schättin

Publiziert in Zeitlupe Nr. 11, 2010

 

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